Liang Li; Tommi Hakala
© Matthias Jung
„Macbeth“
Oper in vier Akten
Giuseppe Verdi (1813-1901)
Premiere 19. Oktober 2013

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Libretto: Francesco Maria Piave (1810-1876) und Andrea Maffei (1798-1885)
Literarische Vorlage: Macbeth von William Shakespeare
Uraufführung: 14. März 1847 im Teatro della Pergola in Florenz

Ort und Zeit der Handlung
Schottland und die schottisch-englische Grenze, 11. Jahrhundert

Personen
Duncan, König von Schottland (stumme Rolle); Macbeth, General in König Duncans Armee (Bariton); Banquo, General in König Duncans Armee (Bass); Lady Macbeth, Gattin des Macbeth, dramatischer (Sopran); Dame der Lady Macbeth (Mezzosopran); Macduff, schottischer Adliger, Lord of Fife (Tenor); Malcolm, Duncans Sohn (Tenor); Fleance, Banquos Sohn (stumme Rolle); Arzt (Bass); Diener Macbeths (Bass); Mörder (Bass); Herold (Bass); drei Erscheinungen (Bariton, Sopran, Sopran); Hecate, Königin der Nacht (stumme Rolle); Hexen, Gesandte des Königs, schottische Adlige und Flüchtlinge, Mörder, englische Soldaten, Barden (Chor); Hexen und Luftgeister (Ballett)

Erster Akt
Bei der Rückkehr der erfolgreichen Feldherren Macbeth und Banquo wird ihnen von Hexen vorhergesagt, dass Macbeth Than von Glamis und Cawdor sowie später König von Schottland und Banquo der Stammvater eines Königsgeschlechts sein wird. Die erste Weissagung erfüllt sich, als Boten die Nachricht überbringen, dass Macbeth zum Than von Cawdor ernannt wurde. Der Ehrgeiz der Lady Macbeth wird durch die schriftliche Mitteilung ihres Mannes über die Weissagungen der Hexen geweckt. Der König plant im Schloss der Macbeths zu übernachten und die Lady sieht die Chance, die Macht an sich zu reißen. Sie überredet ihren Mann, den König zu ermorden. Macbeth lässt sich trotz aller Bedenken zur Tat überreden. Während er sich beim Festmahl von Rachegeistern verfolgt fühlt, lastet seine Frau die Tat einem schlafenden Wächter an, indem sie ihm den Dolch zusteckt. Nachdem der tote König entdeckt wurde, stimmt das Paar in die Verfluchungen und Verwünschungen der anderen mit ein.

Zweiter Akt
Malcolm, der Sohn des ermordeten Königs, ist nach England geflohen, da er des Mordes an seinem Vater verdächtigt wird.So wird Macbeth - wie vorhergesagt - König von Schottland. Macbeth wird von dem Gedanken verfolgt, dass die Hexen prophezeit haben, dass Banquos Erben die zukünftigen Könige stellen werden. Daher gibt er den Auftrag, Banquo und dessen Sohn Fleance zu ermorden. Die Mörder können jedoch nur Banquo töten, Fleance gelingt die Flucht.
Während einer Feier wird Macbeth die Nachricht vom Tod Banquos sowie der Flucht seines Sohnes überbracht. Scheinheilig bedauert er den Gästen gegenüber das Fehlen Banquos, doch dem von Gewissensbissen geplagten König erscheint der Ermordete auf seinem Sitzplatz. Entsetzt und fassungslos spricht er mit dem Geist. Lady Macbeth versucht ihn zu beruhigen und die anderen Gäste durch ein Trinklied abzulenken.

Dritter Akt
Macbeth lässt sich nochmals von den Hexen sein zukünftiges Schicksal vorhersagen. Drei Hinweise erhält er: eine Warnung vor dem schottischen Adeligen Macduff, die Zusicherung, dass kein von einer Frau Geborener ihn überwinden kann und dass seine Unbesiegbarkeit erst endet, wenn der Wald von Birnam gegen ihn vorrücke. Aber es erscheinen ihm acht zukünftige Könige und der Geist Banquos. Macbeth bricht zusammen. Seine Frau kann ihn jedoch aufrichten und zur Vernichtung Macduffs und seiner Familie überreden.

Vierter Akt
Nachdem Macbeth die Familie Macduffs töten ließ, vereinigt dieser seine Regimenter mit den englischen Truppen des zurückkehrenden Malcolms. Zur Tarnung nutzen die Soldaten Zweige aus dem nahen Wald von Birnam. Lady Macbeth wird unterdessen von ihrem Gewissen heimgesucht. In Wahnvorstellungen durchlebt sie die Taten nochmals und stirbt schließlich. Der Tod seiner Frau lässt Macbeth völlig unberührt. Die Nachricht jedoch, dass der Wald von Birnam gegen ihn anrücke, macht ihm klar, dass nun der letzte Kampf bevorsteht. Beseelt von dem Spruch der Hexen, dass kein von einem Weib Geborener ihm etwas antun kann, muss Macbeth auf dem Schlachtfeld erfahren, dass Macduff aus dem Leib der Mutter geschnitten wurde. Macduff tötet Macbeth und ruft Malcolm zum neuen König aus.

Entstehung
Mit Macbeth beginnt Verdis lebenslange Beschäftigung mit Stoffen von Shakespeare. Jedoch verändert Verdi die literarische Vorlage, indem er die Handlung vereinfacht und die Frauenrollen aufwertet. Auch legt Verdi mehr Gewicht auf die Folgen der Taten und beschreibt die Auswirkungen auf das Gewissen der Täter. Die zehnte von 26 Opern des Komponisten zeigt bereits musikalischen Besonderheiten des künftigen Stils, wie z.B. die schlüssige Dramaturgie, die musikdramatische sichere Auswahl der Stimmen und die Bedeutung, die er dem Bühnenbild, den Kostümen und der Ausstattung zumisst. Im Gegensatz zu den damals modernen Belcanto-Opern mit schönem Gesang und der einfachen Handlungsstruktur einer Liebesgeschichte behandelt Macbeth das Thema Machtgier und setzt es expressiv und entgegen der gesanglichen Tradition um.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

"Fair is Foul and Foul is Fair"
William Shakespeare, Macbeth, I,1

"Hässlich soll schön, Schön hässlich sein!"
Friedrich von Schiller (Übersetzung)

Für seine zehnte Oper verhandelte Giuseppe Verdi 1846 mit dem Impresario der Florentiner Oper und schwankte zwischen drei Themenblöcken: Shakespeares Macbeth, Schillers Die Räuber und Grillparzers Die Ahnfrau – allen Stoffen ist gemein, dass sie sich nicht für die theatrale Form des tradionellen italienischen ,,melodramma" eignen. Verdi wählte ganz bewusst etwas Neues; er schrieb: „Das Sujet der Oper ist weder politisch noch religiös: Es ist fantastisch.“ Der Komponist verzichtete auf die eigentlich übliche Liebesgeschichte, auch auf die glänzende Tenorrolle und konzentrierte sich auf die Abgründe der menschlichen Seele. Verdi selbst verfasste einen Prosaentwurf und schärfte seinem Librettisten Piave ein: „Wenn wir schon keine große Sache daraus machen können, lass uns wenigstens versuchen, eine Sache jenseits des Gewöhnlichen zu machen … Für die Verse denke stets daran, dass es dort kein überflüssiges Wort geben darf: Alles muss etwas ausdrücken … Kürze und Erhabenheit!“
Verdi sah sich der Vorlage von Shakespeare verpflichtet und schrieb an seine erste Lady, die Sopranistin Marianna Barbieri-Nini: „Dies ist ein Drama, das nichts mit den anderen gemein hat, und wir dürfen alle keine Anstrengung scheuen, dem Original so gerecht wie möglich zu werden.“ Damit wird eine neue Verbindung von Wort und Ton etabliert – jenseits der romantischen Melomanie der italienischen Oper werden neue Voraussetzungen zur Aufführungspraxis und Rezeption geschaffen. Es ist ja genau diese Macht von Sprache, die auch den Kern der Geschichte des den Prophezeiungen glaubenden Macbeth' ausmacht.
Die tinta musicale ist schwärzer und ausweglos gespenstischer als in allen anderen Opern Verdis – dabei bleibt es ein Schauderdrama, das sich mit den menschlichen Dimensionen von Schuld und Gewissen auseinandersetzt. Das Aneinanderreiben des Halbtonwechsels von C und Des, ein winziger harmonischer Schritt, ist die Keimzelle der gesamten Partitur und findet sich immer wieder. Dieser kleinen Schwärze sind die Hexen entgegengesetzt: Sie sind nicht die „weird sisters“ als Shakespeare’sche Erdblasen, sondern vielmehr Erscheinungen menschlicher Abgründe. Dabei klingen ihre Chöre frivol und scheinen eher durch tänzerischen Rhythmus denn mystische Klänge zu verzaubern. Nach der erfolgreichen Uraufführung 1847 in Florenz ist der Komponist sehr zufrieden und widmet das Werk seinem Schwiegervater und Gönner Antonio Barezzi: „Macbeth ist mir lieber als meine anderen Opern.“ Im Jahre 1865 überarbeitet Verdi die Oper nochmals für Paris: Er fügt das dort obligatorische Ballett ein, ersetzt eine konventionelle Arienszene der Lady durch ein durchkomponiertes Stück und findet zudem einen anderen Fokus im Schluss.
(Aalto-Theater Essen 2013/14)

Musikalische Leitung: Giuliano Carella
Inszenierung: David Hermann
Bühne und Kostüme: Christof Hetzer
Video: Martin Eidenberger
Choreinstudierung: Jens Bingert
Dramaturgie: Dr. Alexander Meier-Dörzenbach

Termine & Bestellung

Samstag,
24.04.2021
Aalto-Theater, Essen  |  19.00 Uhr
Macbeth
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
Für Preisangaben zu den einzelnen Terminen
loggen Sie sich bitte ein.

Sonntag,
23.05.2021
Aalto-Theater, Essen  |  18.00 Uhr
Macbeth
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
Für Preisangaben zu den einzelnen Terminen
loggen Sie sich bitte ein.

Sonntag,
06.06.2021
Aalto-Theater, Essen  |  18.00 Uhr
Macbeth
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
Für Preisangaben zu den einzelnen Terminen
loggen Sie sich bitte ein.


 DruckenDrucken